Auf den Spuren der Mecklarer Geschichte
Geschichte & Chronik
Von einer Klosterschenkung im Jahr 1252 bis zur Eingemeindung 1971 — die dokumentierte Geschichte Mecklars, zusammengetragen aus Urkunden, Kirchenbüchern, der Artikelserie „Auf den Spuren der Mecklarer Geschichte" im Ludwigsau-Kurier und aktueller Forschung.
Woher stammen diese Informationen?
Diese Chronik beruht größtenteils auf der Artikelserie „Auf den Spuren der Mecklarer Geschichte", die Ortschronist Wilfried Apel und weitere Autor:innen ab dem 29. Juli 2000 im „Ludwigsau-Kurier" veröffentlichten, ergänzt um aktuelle Angaben der Gemeinde Ludwigsau und von Wikipedia (Stand 2026). Einzelnachweise stehen jeweils unter den Abschnitten.
Zeitstrahl
Mecklar in Daten
- um 1190–1233Abt Siegfried von Hersfeld gründet 1190 in Aua das Nonnenkloster zur Heiligen Maria und zu Johannes; zwischen 1229 und 1233 wird es nach Blankenheim verlegt und dem Augustinerorden unterstellt.
- 30. Juli 1252Erste urkundliche Erwähnung Mecklars. Kastellan Helfrich von Rotenburg, Befehlshaber der Burg Rodenberg, schenkt dem Kloster Blankenheim mehrere Güter, darunter einen Mansus („Mekelar") in Mecklar. Dessen Abgaben sollten das „Geleucht" — Kerzenwachs für das Nonnenkloster — finanzieren. Als Zeugen werden u. a. der Ritter Hartrad von Rotenburg und der Priester Bruno zu Ellenbach genannt.
- 1254Mit Hermannus de Mecklar ist der erste namentlich bekannte Pfarrer des Ortes belegt — noch vor der Reformation.
- um 1416Landgraf Ludwig I. von Hessen lässt an der Fulda nahe Mecklar die Burg Ludwigsau errichten, im jahrhundertelangen Streit der hessischen Landgrafen mit dem Stift Hersfeld um die Ortsvogteien. Die Burg ist heute verschwunden, ihr Name lebt in der Ludwigsaumühle und der heutigen Gemeinde Ludwigsau fort.
- 1469 & 1637Mecklar wird zweimal vollständig eingeäschert — 1637 vermutlich durch kroatische Truppen im Dreißigjährigen Krieg, die ihr Feldlager im benachbarten Meckbach hatten. Die erst 1610 erneuerte Kirche wird dabei zerstört, das Pfarramt bleibt danach zwölf Jahre unbesetzt.
- 1730–1741Die durch den Krieg beschädigte, inzwischen einsturzgefährdete alte Kirche wird auf Anordnung von Landgraf Friedrich I. von Hessen-Kassel abgerissen. 1732 entsteht der Neubau mit dem bis heute charakteristischen Turm; die Fertigstellung im Innern (Bänke, Pflaster, Anstrich) zieht sich bis 1741 hin. Am 14. Dezember 1739 werden die Kirchenstände unter den Familien verlost, um die Baukosten zu decken.
- 1791–1822Pfarrer Karl Heinrich Koppen amtiert in Mecklar. Er ist ein Vetter der Familie Grimm — Wilhelm, Jacob und Emil Ludwig Grimm besuchen ihn, Wilhelm Grimm feiert 1810 in Mecklar die Kirmes mit. Mehr dazu unter Personen.
- um 1840Mecklar zählt zu den Fuldatal-Dörfern mit Leinenweberei und Flachsanbau. Pfarrer Karl-Heinrich Brehm verfasst 1844 ein Gutachten zur Verbesserung des Flachsanbaus und regt eine Spinnschule an — die Qualität des heimischen Leins gilt als verbesserungswürdig.
- 1846–1856Missernten und die Kartoffelkrankheit stürzen die Region in eine Existenzkrise. Der Kreis Hersfeld verliert von 1849 bis 1885 mehr als 26 % seiner Bevölkerung durch Auswanderung, ganz überwiegend nach Amerika. Auch aus Mecklar brechen in dieser Zeit über 60 Familien in eine ungewisse Zukunft auf. Zur Auswanderergeschichte.
- 1849–1861Pfarrer Karl Christian Raßmann tritt das Amt in Mecklar erst als 68-Jähriger an und versieht es noch zwölf weitere Jahre. Sein Eigensinn ist im Hessenland sprichwörtlich geblieben. Mehr dazu unter Personen.
- 1895Gründung des Mecklarer Gesangvereins im Gasthaus „Zur Linde".
- 1899Bau der steinernen Fuldabrücke, die bis heute Alt- und Neuortslage verbindet.
- 1911Fünf Männer gründen in der Gastwirtschaft von Georg Büttner den „Bürgerverein Mecklar" — Vorläufer des späteren SPD-Ortsvereins.
- 1917Eine der historischen Kirchenglocken wird im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen.
- 1924Gründung des Schützenvereins Mecklar.
- 1926Gründung der Evangelischen Frauenhilfe Mecklar durch 29 Frauen.
- 1932200-Jahrfeier der Kirche: Eine neue „Gebetsglocke" wird als Ersatz für die 1917 eingeschmolzene Glocke geweiht.
- 1941–1953Kriegs- und Nachkriegsjahre unterbrechen das Vereinsleben; Gesangverein und Schützenverein lösen sich vorübergehend auf und werden 1947 bzw. 1953 wiedergegründet.
- 28. Juli 1971Der Rom-Kopenhagen-Express entgleist am Bahnhof Mecklar bei rund 105 km/h, nachdem sich eine Weiche unter dem fahrenden Zug verstellt hatte. 25 der 175 Fahrgäste werden verletzt, vier davon schwer.
- 31. Dezember 1971Im Zuge der hessischen Gebietsreform wird die bis dahin selbstständige Gemeinde Mecklar freiwillig in die neu gebildete Gemeinde Ludwigsau eingegliedert.
- 1976Gründung der Natur- und Wanderfreunde Mecklar, die das Wandergebiet „Geisenrain" anlegen.
- 1981Gründung des Obst- und Gartenbauvereins Mecklar, der das Gelände „In den Küppeln" bewirtschaftet.
- 1999–2000Gründung des Freundeskreises für Traditionen und Trachten Ludwigsau-Mecklar sowie des Brauchtums- und Traditionenvereins Mecklar (hervorgegangen aus dem „Bauwagenteam" von 1993).
- 30. Mai – 2. Juni 2002Mecklar feiert die 750-Jahrfeier seiner urkundlichen Ersterwähnung — mit Festzug, Fotoausstellung, Ballonfahrten und Gästen aus der Partnergemeinde Changé (Frankreich).
- 2007Ansiedlung einer DHL-Betriebsstätte im interkommunalen Industriegebiet Mecklar/Meckbach.
- heuteRund 800 Einwohner:innen, ein siebenköpfiger Ortsbeirat unter Ortsvorsteher Wilfried Leiter und ein aktives Vereinsleben prägen das heutige Mecklar.
Vertiefung
Der Name „Mecklar"
Schon der Chronist Friedrich Lucae rätselte um 1700 über die Herkunft des Ortsnamens: Er deutete „Mecklar" als eingedeutschte Form von „Megalar" — halb griechisch, halb lateinisch für castra magna, „das große Lager". Der Wortbestandteil „-lar" bzw. „-ler" bezeichne, ähnlich wie in Fritzlar oder Goslar, einen Lagerplatz oder Wohnsitz. Lucae vermutete, Römer oder Franken hätten an dieser günstigen Stelle am Fluss einst ein großes Heerlager unterhalten.
„Mecklar ist soviel wie Megalar, ein halb griechischer und lateinischer Name … Demnach heißt Meckelar oder eigentlich Megelar soviel als Castra Magna, das große Lager." Friedrich Lucae, Beschreibung der Dorfschaft Mecklar, um 1700
Lucae beschrieb Mecklar auch als Pfarrort mit „Mutterrecht und zwei Filialen", dessen Kirche dem heiligen Johannes geweiht war und deren Kollaturrecht ursprünglich beim Stift Hersfeld lag. Er erwähnte zudem Reste eines alten Schlosses nahe der Ludwigsaumühle — Überbleibsel der Burg Ludwigsau, die dem heutigen Gemeindenamen ihren Ursprung gab.
Das Kloster Blankenheim und die erste Erwähnung
Die urkundliche Ersterwähnung Mecklars ist eng mit dem Nonnenkloster Blankenheim verknüpft. Am 30. Juli 1252 schenkte der Kastellan Helfrich von Rotenburg dem noch jungen Kloster mehrere Güter „zum Seelenheil" seiner Familienangehörigen — darunter einen Mansus in Mecklar, dessen Erträge das Kerzenlicht im Nonnenkloster finanzieren sollten. Auffällig ist laut Historiker Harald Neuber, dass in der Zeugenliste keine hochrangigen Adligen auftauchen, obwohl die Übertragung eigentlich landesherrliche Zustimmung erfordert hätte — ein Hinweis auf die besonderen Rechtsverhältnisse der Zeit.
Zerstörung und Wiederaufbau der Kirche
Die alte Mecklarer Kirche überstand den Dreißigjährigen Krieg nur notdürftig instandgesetzt und verfiel zunehmend. 1730 beauftragte Landgraf Friedrich I. zwei Baumeister mit einer Begutachtung; beide rieten zum kompletten Abriss und Neubau. Die Kosten — je nach Schätzung 1.300 bis 1.800 Reichstaler — sollten über eine Generalkollekte und einen landesherrlichen Zuschuss gedeckt werden. Die Mecklarer Gemeinde selbst leistete umfangreiche Hand- und Spanndienste: Werksteine kamen aus Friedewald, das schwere Baugehölz aus dem weit entfernten Seulingswald.
Weil die Baukosten trotzdem nicht ganz gedeckt waren, wurden am 14. Dezember 1739 im Pfarrhaus die Kirchenstände (Sitzplätze) unter den Familien verlost — wer die schweren Fuhren geleistet hatte, zahlte vier Taler, alle anderen künftig acht Taler pro Platz. Die genaue Sitzordnung ist bis ins Detail überliefert: Pfarrer und Pfarrerin saßen im Chor an vergitterten Plätzen, Kirchensenioren unter der Kanzel, der Blankenheimer Vogt und Ortsfremde auf gesonderten Bänken.
Zur 200-Jahrfeier der Kirche 1932 erinnerte Pfarrer Sinning an diese Geschichte und an die beiden Stadtbrände von 1469 und 1637. Die älteste erhaltene Glocke stammt aus dem Jahr 1465, die zweite ebenfalls aus dem 15. Jahrhundert — beide haben die Jahrhunderte überdauert, während eine dritte Glocke 1640 aus wirtschaftlicher Not verkauft und eine weitere 1917 dem Ersten Weltkrieg zum Opfer gebracht wurde.
Leinenweberei, Krise und Aufbruch
Im 19. Jahrhundert gehörte die Leinenweberei neben der Landwirtschaft zu den wichtigsten Erwerbszweigen im Fuldatal. In Mecklar wurde vor allem „Schockleinen" in geringerer Menge gewebt als in Nachbarorten wie Rohrbach oder Tann. Pfarrer Karl-Heinrich Brehm beschrieb 1844 in einem Gutachten die Schwächen des lokalen Flachsanbaus — zu später Aussaat, minderwertiges Saatgut — und schlug die Einrichtung einer Spinnschule vor, finanziert aus der „nicht unbedeutenden" Gemeindekasse.
Wenige Jahre später traf die Region die Erntekatastrophe von 1846/47: Die Kartoffelkrankheit vernichtete große Teile der Ernte, die Preise schnellten um 40 bis 55 Prozent nach oben. Wildern und Fischereivergehen nahmen zu, die Not trieb tausende Menschen zur Auswanderung. Zwischen 1849 und 1885 verlor der Kreis Hersfeld über ein Viertel seiner Bevölkerung — die meisten von ihnen zogen nach Amerika. Auch Mecklar war davon tief betroffen. Die Namen der Auswanderer und ihre Geschichten finden Sie auf einer eigenen Seite.
Von der Weimarer Zeit zur Eingemeindung
Das 20. Jahrhundert brachte Mecklar ein reges Vereinsleben — vom Bürgerverein (1911) über Schützenverein (1924) und Frauenhilfe (1926) bis zum Gesangverein, dessen Aktivität durch beide Weltkriege unterbrochen wurde. Am 28. Juli 1971 sorgte ein spektakulärer Zugunfall für überregionale Aufmerksamkeit: Der Rom-Kopenhagen-Express entgleiste am Bahnhof Mecklar, 25 Menschen wurden verletzt. Nur wenige Monate später, zum Jahreswechsel 1971/72, verlor Mecklar im Zuge der hessischen Gebietsreform seine kommunale Selbstständigkeit und wurde freiwillig Teil der neuen Gemeinde Ludwigsau.
750 Jahre Mecklar
Im Jahr 2002 feierte das Dorf mit großem Programm die 750. Wiederkehr seiner urkundlichen Ersterwähnung. Das vollständige Festprogramm und seine Geschichte finden Sie hier.
Sagenhaftes aus Mecklar
Der Schatz in der Nonnenrode: Der Sage nach liegt in der Nonnenrode bei Mecklar ein Kessel voll Geld vergraben, Erbe des untergegangenen Dorfes Nonnenrode. Als beherzte Männer ihn heben wollten, ritt ein Männchen auf einem Hahn heran und fragte, ob sie ihn bald hätten. Vor Freude rief einer „Ja, gleich!" — da stürzte der Kessel so tief in die Erde, dass ihn niemand je wiederfand.
Die Hexe von Mecklar: Ein Mecklarer Schmied wollte in der Walpurgisnacht herausfinden, ob seine Frau, wie gemunkelt wurde, eine Hexe sei. Um Mitternacht verschwand sie plötzlich aus der Schmiede — an ihrer Stelle lag ein Bund Stroh. Am nächsten Morgen fand er sie mit verbundenem Kopf im Bett: Der Teufel habe sie geschlagen, weil sie zu spät zur Hexenversammlung gekommen sei.
Quelle: Festschrift zur 700-Jahrfeier der Gemeinde Mecklar (1952), nach Wilhelm Neuhaus, Sagen und Schwänke aus dem Kreise Hersfeld.
Familien & Verbindungen
Die Pfarrerfamilie Meckbach
Zweimal stellte die niederhessische Familie Meckbach — ursprünglich aus dem gleichnamigen Dorf bei Hersfeld stammend — den Pfarrer von Mecklar: Magister Johannes Meckbach amtierte ab 1572 bis zu seinem Tod 1613, sein Sohn Magister Christian Meckbach ab 1620 zugleich für Mecklar, Friedlos, Tann, Rohrbach und Reilos. Christian Meckbach wurde 1630 im Zuge der gegenreformatorischen Politik des Fuldaer Abtes seines Amtes enthoben. Die Familie lässt sich bis zu Ditmarus de Mekebach zurückverfolgen, der zwischen 1274 und 1296 in Rotenburg urkundlich belegt ist.